Samstag, 3. Oktober 2009

Reisebericht Slowenien - Teil 1

Anreise (13. September)
Auf unserem Weg nach Slowenien ist Leipzig am Vorabend das erste Etappenziel.

Nach Stadtführung und ausgedehntem Abendprogramm befinden wir uns am nächsten Tag bereits wieder zeitig auf der Autobahn gen Süden. Auf diesem Wege noch einmal herzlichen Dank an unsere beiden Gastgeber für den *****+ Übernachtungskomfort!

Kurze Rast hinter München, mit dem geräumigen Mietwagen lassen sich 3 Bikes, Gepäck und das Zeltequipment bequem im Innenraum transportieren. Damit lässt sich das Gefährt zu Gunsten der Reisekasse auch bei zügiger Fahrweise mit etwas über sechs Litern bewegen. Neben einem Tempomat vermisse ich aber insbesondere den sechsten Gang, für Slowenien ist eben nur die untere Mittelklasse zulässig.

Bald kommen die Alpen in Sicht, leider Wolkenverhangen.

Hinter dem Kreuz Villach fahren wir kurz nach Italien herein und gelangen nach der Abfahrt Tarvisio über den Predilpass nach Slowenien. Kurz vor der Grenze halten wir am Lago Del Predil.

Oben am Pass befindet sich die Slowenische Grenze, hier endet das Kartenmaterial unseres Navigationsgerätes. Bei der Reservierung konnte zwar das Reiseziel angegeben werden, was aber nicht heißt, dass ein europäisches Unternehmen auch zwingend ein europäisches Fahrzeug bereitstellt.

Auf slowenischer Seite werden Straße und Leitplanken erneuert, der fast senkrechte Abrund entlang der Passstraße ist mit einem an dünnen Stangen befestigten Flatterband gesichert. Bei einsetzender Dunkelheit, Regen und steilen Serpentienen bereitet die Passstraße einen nicht zu unterschätzenden Nervenkitzel bei der Abfahrt in Richtung Bovec.

Aufgrund der vorsichtigen Fahrweise erreichen wir spät Korbarid und wählen das Kamp Lazar als Basislager für die kommende Woche. Bevor wir später das Zelt bei Dunkelheit im Licht der Scheinwerfer im Regen aufbauen, entscheiden wir uns erst einmal für eine Stärkung. Das Kamp bietet neben einer gemütlichen Blockhütte auch eine Bar und Küche, die Pfannkuchen in zahlreichen Variationen kredenzt.

Neben Budweiser gibt es hier die zwei lokale Biersorten Union (rot) und Lasko (grün) an, wobei das Lasko als das herbere Bier eher den norddeutschen Geschmack trifft.

Triglavski Narodni Park (14. September)
Nach einer unruhigen Nacht mit heftigen Gewittern beginnt unser erster Tag mit Regen. Die Bikes bleiben vorläufig im Kofferraum und wir suchen zunächst das Touristbüro von Kobarid auf. Hier decken wir uns mit weiterem Karten und weiterem Informationsmaterial ein, die heutige Wetterprognose spricht aufgrund der Gewitter gegen einen ersten Gipfelsturm. So beschließen wir zunächst unsere Ausrüstung in Tolmin, dem Oberzentrum der Region, noch ein wenig zu vervollständigen. Hier finden wir einen gut sortierten Bike-Shop und erstehen neben Handschuhen auch einen Tacho für die Navigation nach den Wegpunkten unseres Tourenführers. Da der Regen nach dem Einkauf abklingt beschließen wir dem Triglavski Narodni Park im Norden von Tolmin einen Besuch abzustatten.

Hier kann auf eindrucksvolle Weise der Zusammenfluss von Tolminka und Zadlascica erwandert werden. Mit einer Höhe von 180 Metern ü. NN handelt es sich hier um den tiefsten Punkt des Triglav-Nationalparks.

Der erste von weiteren elf Feuersalamandern an diesem Tag.

Die Tolminka hat sich tief in den Fels eingegraben.

Ein in den Fels gehauener Tunnel führt zu einer Thermalquelle, die den nur zwischen 5 und 9°C kalten Fluss lokal auf bis zu 20°C aufwärmt.

Der Medvedova glava (Bärenkopf) ist der Name eines großen Felsens, der im engen TEil der Zadlascica-Schlucht eingekeilt ist. Bedingt durch die hohe Luftfeuchte und das mediterane Klima findet sich hier eine üppige Vegitation und eine Reihe von Endemiten. Auch den Feuersalamandern gefällt das Klima hier ausgezeichnet.

Die Wege verlaufen größtenteils auf den alten Verbindungspfade zwischen den Dörfern und vermitteln einen Eindruck der Mühen früherer Zeiten. Am höchsten Punkt des Nationalparks befindet sich die Dantehöhle, wir haben am Eingang von der freundlichen slowenischen Nationalparkwächterin zwar eine Taschenlampe ausgehändigt bekommen, folgen hier aber lieber dem Schild mit dem Kaffeesymbol (1 Kilometer).

Blick von den Serpentinen hinunter auf Tolmin.

Der Kilometer fühlt sich verdammt lang an, bietet aber schöne Ausblicke. Interessanter Weise regnet es zwischen erster und zweiter Wolkenschicht auf dieser Höhe nicht, was wir als gutes Zeichen für den geplante Tour des kommenden Tages werten.

Oben auf ca. 600 Meter finden wir eine kleine gemütliche Einkehrmöglichkeit vor in der ein Käse aus einem der umliegenden Dörfer nebst selbst gebackenem Brot angeboten wird. Ausgezeichnet, denn der Magen hängt uns nach dem für Flachländer ungewohnten Aufstieg tief in der Kniekehle.

Auch beim Material sind unerwartete Verluste zu verzeichnen.

Blick auf den gegenüberliegenden Berg mit vorüberziehenden Wolkenfetzen.

Den Rückweg bestreiten wir Materialschonend auf der Asphaltpiste und ärgern uns die Räder nicht mit hoch genommen zu haben.

Das Bier am Abend haben wir uns trotzdem verdient, zum Glück hat der Wirt den Ofen gut eingeheizt.

Tourplanung für den Folgetag, wir entscheiden uns für eine mittelschwere Tour zu Kapela Bes an den Hängen des Krn.


Tour 1 - Kapela Bes (15. September)
Der morgige Blick in den Himmel sieht sehr vielversprechend aus, die Gewitter haben sich verzogen und stellenweise blickt die Sonne durch.

Unser Basiscamp.

Unser zeitweiliger Übernachtungsgast vom Vorabend - wir hatten vergessen das Innenzelt zu schließen - erscheint pünktlich zum Frühstück.

Die ersten Anstiege des Tages, vor dem mittleren Berg im Hintergrund befindet sich Kobarid.

Auf Asphalt lassen sich auch steile Rampen komfortabel bewältigen.

Blick hinüber zum Kolovrat.

Im Vordergrund befindet sich eine der bewirtschafteten Hochebenen. Diese sind vom Tal meist nicht einsehbar.

Verschnaufpause auf einem halbwegs ebenen Teilstück.

Entlag des Weges befinden sich immer wieder Bachläufe, die in die Soca münden

Bergwerk oder Militäranlage? Zum Pilzepflücken immer senkrecht den Hang hinauf.

Wiese mit regionaltypischem Schuppen.

Pause kurz vor der Ortschaft Krn.

Der Ort besteht aus malerischen alten Steinhäusern, überhaupt befinden sich eine Vielzahl von Häusern und kleinen Ortschaften in den umliegenden Hochebenen.

859 m, Linkskehre im Ort Krn, vor uns liegen noch gut 360 Höhenmeter bis zum Sattel.

Weiterer Aufstieg zur Hochebene, das Massiv des Krn vor uns ist bis zu 2244 Meter hoch.

Die als Einkehrmöglichkeit gepriesene Almhütte erweist sich als geschlossen. Zum Glück haben wir reichlich Verpflegung eingepackt, die auch dringend benötigt wird. Zum Sattel sind von hier immer noch ca. 220 Höhenmeter zu bewältigen.

Überwältigend sind hingegen die Ausblicke von hier oben, denn wir haben mittlerweile die Baumgrenze hinter uns gelassen und schauen kilometerweit in alle Richtungen.

Am Massiv hängen immer wieder Wolkenfelder.

Zwischen dem Berg im Mittelpunkt und dem Massiv rechts davon befindet sich der Sattel.

Mittlerweile sind wir höher als die gegenüberliegenden Berge.

Blick zurück.

Bis dato gefahrene Kilometer: 14,38. Übereinstimmung mit empfundenen Kilometern: negativ.

Der Himmel so nah, das Massiv versteckt sich komplett in den Wolken.

Das letzte Stück des Aufstiegs wird richtig fies und ist entgegen der Beschreibung des Tourenführers nur stellenweise fahrbar. Dazu beigetragen haben offensichtlich ein Viehauftrieb und der starke Regen der letzten Tage.

Schließlich erreichen wir hinter dem Sattel unser Ziel, die Kapela Bes auf 1207 m. Von hier bietet sich ein perfekter Blick auf Kobarid, die Kapelle selbst wurde von den Italienern zum Gedenken an die Opfer des Stellungskriegs am Gipfel des Krn erbaut. Mangels Baumaterial sind offensichtlich auch eine paar Artilleriegranaten mit in die Konstruktion eingeflossen.

Während das Tourenfully bergauf der perfekte Untersatz war wünsche ich mir beim Blick auf die anstehende Abfahrt doch eher den downhillorientierten Neuaufbau herbei. Von der Kapelle führen fast senkrecht enge und sehr ausgewaschene Serpentinen den ersten Hang hinab.

Das Wetter drängt schon wieder gefühlt zu Eile, da hilft nur Sattel runter und kontrollierter Absturz am Hang. Das erste extreme Stück schieben wir größtenteils, unterhalb der Serpentinen beginnt ein zwar ebenfalls sehr ausgewaschener aber halbwegs fahrbarer Trail.

Werfen wir einen Blick auf das Grinsen meiner Mitfahrerin bei der ersten Pause auf der Abfahrt.

Wenig später aber viele Höhenmeter weiter unten, wenig später schießen mich ein paar Felsbrocken sehr unsanft aus der Bahn.

Es gibt zwei Wege eine Furt zu durchqueren: Fahren...

oder Waten ;-).

Hinter dieser Furt endet der Trail und auf Asphalt vernichten wir über Kosec und Dreznica die letzten Höhenmeter hinunter zur alten Napoleon Brücke.

Die Tour war auf jeden Fall fahrtechnisch heftiger als erwartet, unserer Meinung nach wäre der obere Teil der Auffahrt die bessere Abfahrt gewesen. Am schlechten Zustand der Trails hat ganz aber offensichtlich der Regen der vergangen Tage seinen Anteil. Der Panorama- und Naturfaktor war hingegen äußerst genial. Neben den blauen Flecken ist außer einem Sattel erfreulicher Weise nichts kaputt gegangen.

Kommentare:

  1. Vielen Dank fuer den Reisebericht aus Kisdorf.

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  2. Sehr schöner Bericht. Gibt es auch noch einen 2. Teil? Bin auch sehr an Slowenien als Zeil für Bike-Urlaub interessiert.
    Grüße aus Aschaffenburg
    Thorsten

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  3. Hallo Thorsten,

    Teil 2 schlummert noch im Ordner Entwürfe, vor Jahresende werde ich den Beitrag hier auch posten.

    Beste Grüße von der Ostsee,
    Göran

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